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Aquakultur-Zertifizierung: Marktzugang oder Marktbarriere?

Der größte Nutzen der Aquakultur-Zertifizierung für den Markt ist die über unabhängige Dritte1 gebotene zusätzliche Sicherheit, dass ‚glaubwürdige und strenge‘ Standards für Lebensmittelsicherheit, Tierschutz, Umweltaspekte und soziale Belange sowie Rückverfolgbarkeit in der Produktionskette eingehalten wurden. Das Bewusstsein für diesen Nutzen führte dazu, dass die Erfüllung von Aquakultur-Zertifizierungsregelungen im Grunde genommen inzwischen eine faktische Voraussetzung für den Zugang zum globalen Markt ist. Gleichzeitig stehen freiwillige Standards und Aquakultur-Zertifizierungsregelungen in der Kritik, für diejenigen, die sie nicht erfüllen können, ein Hindernis für den Marktzugang darzustellen. Dieser Kritik wollen wir nun nachgehen und untersuchen, welche Rolle die Aquakultur-Zertifizierung spielt, welchen Nutzen sie dem Markt bietet und welchen Herausforderungen Produzenten, die die Zertifizierungsanforderungen nicht erfüllen können, insbesondere Kleinbauern, begegnen.

Die Rolle der Aquakultur-Zertifizierungsregelungen:
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) skizzierte einen Rahmen für glaubwürdige Aquakultur-Zertifizierungsregelungen in den Technischen Leitlinien zur Aquakultur-Zertifizierung. In diesen Leitlinien lautet es wie folgt: „Es existiert ein umfassender nationaler und internationaler Rechtsrahmen für verschiedene Aspekte der Aquakultur und ihrer Wertschöpfungskette, in dem Themen wie die Bekämpfung von Wassertierkrankheiten, Lebensmittelsicherheit und Erhaltung der biologischen Vielfalt berücksichtigt werden. Besonders strenge Rechtsvorschriften gelten für die Verarbeitung, den Export und Import von Aquakultur-Produkten. Anerkannte zuständige Behörden sind normalerweise befugt, die Einhaltung verbindlicher nationaler und internationaler Rechtsvorschriften zu überprüfen. Andere Themen wie ökologische Nachhaltigkeit und sozio-ökonomische Aspekte sind möglicherweise nicht in dieser verbindlichen Form gesetzlich erfasst und eröffnen die Möglichkeit zur freiwilligen Zertifizierung als Nachweis für die verantwortungsbewusste Führung eines bestimmten Aquakultur-Systems.“ Freiwillige Standards und Aquakultur-Zertifizierungsregelungen dienen somit als Plattform zum Schließen von Lücken in nationalen und internationalen Vorschriften und deren Anwendung in der globalen Lieferkette, insbesondere im Bereich der Futtermittelproduktion, Fischzucht und auf Betriebsebene, sowie im Verarbeitungs-, Export- und Importsektor. Die Aquakultur-Zertifizierung ermöglicht dies mittels glaubwürdiger und robuster Standards3, Akkreditierung4 und Zertifizierung5. Zudem heißt es in den Leitlinien der FAO: „Die Anwendung der Zertifizierung in der Aquakultur wird heute als potenzielles marktorientiertes Instrument zur Reduzierung möglicher negativer Auswirkungen und zur Steigerung der Vorteile für Gesellschaft und Verbraucher und des Vertrauens in den Produktions- und Marketing-Prozess der Aquakultur angesehen.“6 In diesem Fall beziehen sich die Leitlinien auf die Erfüllung der Aquakultur-Zertifizierungsanforderungen als Anreiz zur Einführung verantwortungsbewusster Praktiken, die zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im Aquakultursektor beitragen.

Vorteile der Aquakultur-Zertifizierung für den Markt:
Die Aquakultur-Zertifizierung bietet zahlreiche Vorteile: Wie bereits angeführt liegt der bedeutendste Vorteil der Aquakultur-Zertifizierung in der über unabhängige Dritte gebotenen zusätzlichen Sicherheit, dass ‚glaubwürdige und strenge‘ Standards für Lebensmittelsicherheit, Tierschutz, Umweltaspekte und soziale Belange sowie Rückverfolgbarkeit in der Produktionskette eingehalten wurden. Wie im vorhergehenden Absatz dargelegt wurde, wird mit diesen strengen Standards das Fehlen von internationalen und nationalen Vorschriften oder deren unzulängliche Anwendung kompensiert. Dies dient zur Erreichung eines weltweit anerkannten akzeptierten Niveaus an verantwortungsbewussten Praktiken. Es bietet die zusätzliche Sicherheit, dass in zertifizierten Betrieben gezüchtete Fisch- und Meeresfrüchteprodukte sicher und gesund sind, und umweltfreundlich und sozialverträglich erzeugt wurden. Durch das GGN Logo ‚Zertifizierte Aquakultur‘ können Verbraucher zudem leicht erkennen, welche Fisch- und Meeresfrüchteprodukte auf Basis verantwortungsbewusster Praktiken erzeugt wurden und deren Produzenten durch den Kauf ihrer Produkte belohnen. Schließlich dient die Anerkennung auf dem Markt zur Schaffung von Anreizen für andere Produzenten, verantwortungsbewusste Praktiken umzusetzen.

Herausforderungen der Aquakultur-Zertifizierung:
Aquakultur-Zertifizierungsregelungen stützen sich auf strenge Standards, die entworfen wurden, um Verbraucher im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit zu schützen, den Tierschutz zu fördern, negative Umweltauswirkungen zu minimieren und die Berücksichtigung sozialer Belange wie den Schutz der Arbeitnehmerrechte und der Gemeinschaftsinteressen sicherzustellen. Diese Standards können manchmal Grenzwerte enthalten, deren Einhaltung für Erzeuger zu schwierig ist. Dies trifft besonders auf Kleinbetriebe zu. In den FAO-Leitlinien wird dieser Tatsache Rechnung getragen und festgelegt, dass die Aquakultur-Zertifizierung „keine Farmergruppe, die verantwortungsbewusste Aquakultur praktiziert, aufgrund ihrer Größe, Produktionsintensität oder Technologie diskriminieren soll; die Zusammenarbeit zwischen den Zertifizierungsstellen, Farmern und Händlern fördern soll; zuverlässige, unabhängige Audit- und Verifizierungsverfahren enthalten soll; und kostengünstig sein soll, um die umfassende Beteiligung verantwortungsbewusster Farmer sicherzustellen.“7 Zudem sollten Aquakultur-Zertifizierungsregelungen „sicherstellen, dass besondere Überlegungen angestellt werden, um den Interessen von ressourcenarmen Kleinbauern insbesondere im Hinblick auf Kosten und Nutzen der Teilnahme gerecht zu werden, ohne die Lebensmittelsicherheit zu beeinträchtigen.“8 Die GLOBALG.A.P. Zertifizierung berücksichtigt diese FAO-Grundsätze im Rahmen eines Programms namens ‚localg.a.p.‘. localg.a.p. ist ein schrittweiser Einstieg in die Zertifizierung, welcher es Produzenten auf dem Weg zur vollständigen Zertifizierung erlaubt, durch die Umsetzung einer Reihe grundlegender GLOBALG.A.P. Standards bereits Anerkennung auf dem Markt zu gewinnen. Mehr über localg.a.p. erfahren Sie in diesem
Video:

Wir sehen also, dass die übergeordnete Rolle der ‚Zertifizierten Aquakultur‘ darin besteht, anhand von strengen Standards Verbraucher zu schützen, Tierschutznormen einzuhalten, negative Umweltauswirkungen zu reduzieren und Arbeitnehmerrechte sowie Gemeinschaftsinteressen zu schützen. Der Nutzen eines Programms wie ‚Zertifizierten Aquakultur‘ besteht in der Erleichterung des Marktzugangs. Zudem hilft das GGN Logo den Verbrauchern, verantwortungsbewusst erzeugte Fisch- und Meeresfrüchteprodukte zu identifizieren und die Produzenten durch den Kauf dieser Produkte zu belohnen. Dies stellt für andere Produzenten wiederum einen Anreiz dar, verantwortungsbewusste Praktiken und Programme wie ‚localg.a.p.‘ umzusetzen, welche ihnen einen schrittweisen Einstieg in die GLOBALG.A.P. Zertifizierung ermöglichen. Wenn Sie das GGN Logo auf einer Verpackung sehen, können Sie sichergehen, dass Sie das Produkt mit gutem Wissen und Gewissen kaufen können und dass Ihr Kauf als Anreiz für den Aquakultursektor dient, verantwortungsbewusste Praktiken und eine nachhaltigere Produktionskette einzuführen und umzusetzen.

 

[1] Person oder Stelle, die in Bezug auf die betreffende Angelegenheit unabhängig von den involvierten Parteien ist und keinen Interessenkonflikt hervorruft. (ISO/IEC Guide 2:1996; Leitlinien über Umweltsiegel)

[2] FAO.Technical Guidelines on Aquaculture Certification.Directives techniques relatives à la certification en aquaculture. Directrices técnicas para la certificación en la acuicultura. Rom/Roma, FAO. 2011. s. 2

[3] Ein zugelassenes Dokument, das allgemeine und wiederholte Anwendung, Regeln, Richtlinien oder Merkmale für Produkte oder zugehörige Verfahren und Produktionsmethoden festlegt, deren Einhaltung nicht zwingend vorgeschrieben ist. Es kann auch die Terminologie, Bildzeichen, Verpackungs-, Kennzeichnungs- oder Beschriftungserfordernisse, wie sie für ein Produkt, ein Verfahren oder Produktionsmethoden angewandt werden, einschließen oder ausschließlich behandeln. Ein Standard des öffentlichen Sektors wird von der internationalen Normungsgemeinschaft erstellt und immer von einer offiziell anerkannten Stelle genehmigt. Ein Standard des privaten Sektors wird von einer privaten Stelle erstellt und nicht in allen Fällen von einer offiziell anerkannten Stelle genehmigt. (Gemäß TBT-Übereinkommen, Anhang 1, Absatz 2)

[4] Ein System aus eigenen Verfahrens- und Managementregeln zur Durchführung der Akkreditierung. Die Akkreditierung von Zertifizierungsstellen erfolgt normalerweise nach erfolgreicher Bewertung und wird anschließend angemessen überwacht. (ISO Guide 2, Absatz 17.1.)

[5] Verfahren, anhand dessen die Zertifizierungsstelle oder -einrichtung schriftlich oder in gleichwertiger Weise zusichert, dass ein Produkt, Verfahren oder eine Dienstleistung die spezifischen Anforderungen erfüllt. Die Zertifizierung kann sich gegebenenfallsauf eine Reihe von Audit-Aktivitäten stützen, darunter die kontinuierliche Prüfung der Produktionskette. (Geändert aus ISO Guide 2, 15.1.2.: Principles for Food Import and Export Certification and Inspection, CAC/GL 20; Leitlinien über Umweltsiegel)

[6] Siehe 2 weiter oben S. 1

[7] Siehe 2 weiter oben S. 8

[8] Ibid