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Meerläuse

 

Eine der größten Herausforderungen in der heutigen Lachs-Aquakultur sind kleine Tiere, die als Meerläuse bekannt sind. Meerläuse sind Copepoda (kleine Krebse), die aufgrund ihrer ruderförmigen Füße als solche klassifiziert sind (siehe Bild).

Bild 1: Lebenszyklus einer der Meerlausarten, die Lachs angreifen, Lepeophtheirus salmonis1

 

Copepoda kommen in nahezu jedem aquatischen Lebensraum, sei es Salz- oder Süßwasser, vor. Für die Lachs-Aquakultur besteht das Problem darin, dass Meerläuse Parasiten sind, die sich an der Außenseite des Wirtsfisches (Lachs) festsetzen und Schleim, Blut und Haut fressen, den Lachs dadurch schwächen und ihn anfällig für Krankheiten machen. Es gibt zwei Arten von Parasiten, mit denen sich Lachsfarmer auseinandersetzen müssen: die in Europa und Kanada vorkommende Lachslaus Lepeophtheirus salmonis und der in Chile vorgefundene Parasit Caligus rogercresseyi. Die trächtige, ausgewachsene weibliche Meerlaus ist sehr gefräßig und dadurch besonders schädlich für Lachsfarmen.

Zur Erhaltung der Tiergesundheit und Verringerung des Risikos der Gefährdung der Wildlachsabwanderung sind die Farmer strengen Vorschriften im Hinblick auf die Anzahl der Meerläuse unterworfen. Beispielsweise gilt für Norwegen ein Grenzwert von 0,5 ausgewachsenen weiblichen Meerläusen je Lachs; laut einer neuen Vorschrift wird die Anzahl der Meerläuse je Fisch im Frühling jedoch auf 0,2 ausgewachsene weibliche Meerläuse begrenzt, um die aus den Süßwasserflüssen in den Ozean wandernden Wildlachs-Smolts noch besser zu schützen. Zur Einhaltung der Vorschriften zählen Lachsfarmer die Meerläuse regelmäßig und wenden bei Überschreitung der Auslöseschwelle Behandlungen an, um die Anzahl der Läuse auf einen annehmbaren Wert zu reduzieren. Leider sind solche Behandlungen teuer und mit Belastungen für den Lachs – bis hin zu dessen Verenden – verbunden. Eine weitere Nebenwirkung der Behandlungen ist das verminderte Wachstum des Fisches, was zu einem geringeren Erntegewicht führt.

Es gibt eine Reihe von Verfahren zur Beherrschung des Meerlausbefalls: Behandlung über das Futtermittel, Badebehandlung und der Einsatz von Putzerfischen. Behandlungen mit chemischen Zusätzen im Futtermittel haben im Laufe der Jahre an Wirksamkeit verloren, da Meerläuse gegenüber Parasitiziden resistent werden. Lachsfarmer bauten deshalb zunehmend auf Badebehandlungen mit Chemikalien (wie z. B. Wasserstoffperoxid), erwärmtem Meerwasser oder Süßwasser zur Verringerung der Läuseanzahl. Badebehandlungen sind jedoch besonders teuer und belastend für den Lachs, und können zu dessen Absterben führen. Daher wurden neuere, ‚biologische‘ Verfahren, wie beispielsweise der Einsatz von Putzerfischen, eingeführt. Putzerfische wie der Lippfisch oder Seehase werden gemeinsam mit dem Lachs gezüchtet und fressen den Fischen die Meerläuse vom Körper. Das Einsetzen von Putzerfischen stellt einen natürlichen, symbiotischen Ansatz dar und gilt damit als ‚biologische‘ Kontrolle oder Lösung.  

Da Meerläuse in jeder Lachs produzierenden Region vorkommen, stellt deren Bekämpfung ein globales Problem dar, das durch die Erwärmung der Gewässer infolge des Klimawandels verschärft wird. Neben den nationalen Vorschriften bieten Aquakultur-Zertifizierungsprogramme eine zusätzliche Sicherheit dafür, dass die Problematik der Meerläuse angegangen wird. In der Lachszuchtbranche herrscht die Einsicht, dass kein Unternehmen dieses Problem allein lösen kann und dass dieser Herausforderung nur mit einer globalen, gemeinsamen Antwort wirksam begegnet werden kann. Die Global Salmon Initiative (GSI), eine vorwettbewerbliche Plattform aus führenden Lachszuchtunternehmen aus der ganzen Welt, wurde aus dieser Intention heraus gegründet und entwickelte eine Reihe von ‚bewährten Praktiken‘ zur Bekämpfung der Meerläuse. GSI fördert zudem die Transparenz seiner Mitgliedsunternehmen. Mehr Informationen über GSI und den Fortschritt bei der Bekämpfung der Meerläuse in den einzelnen Ländern und bei den einzelnen GSI-Mitgliedsunternehmen erhalten Sie über folgenden Link:

[1] Quelle: Atlantic Canada Fish Farmers Association