70 bis 80 Prozent aller Aquakultur wird auf kleinem Maßstab betrieben.[1]Diese Betriebe befinden sich im Familienbesitz oder werden von Familien gepachtet und verwaltet.[2] Da die Zertifizierung sich allmählich zu einer notwendigen Voraussetzung für den Marktzugang entwickelt, stellt sich die Frage, ob dadurch die Einstiegshürden für kleine Betriebe zu groß werden. Um diese Frage zu beantworten, beleuchten wir im folgenden die drei wichtigsten Kostenfaktoren im Zusammenhang mit der Zertifizierung näher. 

 

Kostenfaktor Audit

Der erste Kostenfaktor sind die Kosten für das Audit. Sie beruhen auf dem geschätzten Zeitaufwand für eine strenge und gründliche Prüfung durch die Zertifizierungsstelle. Dies sind Fixkosten, die für kleine Betriebe unerschwinglich sein können. Daher bieten Zertifizierungsprogramme wie GLOBALG.A.P. Optionen zur Gruppenzertifizierung an, sodass Kleinbauern sich zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammenschließen können und dadurch die Zertifizierungskosten für die einzelnen Betriebe sinken. Der zweite Kostenpunkt sind Lizenzgebühren für Bio-Label. Diese Kosten sind allerdings sehr gering.

 

localG.A.P. als Option für Kleinbauern

Den dritten und letzten Kostenfaktor bilden die Kosten für die Einhaltung der Kriterien. Um bestimmten Zertifizierungskriterien gerecht zu werden, können bei kleinen Betrieben zusätzliche Investitionen in Form von Geld- und Sachvermögen sowie Fachkenntnissen über die Einführung und Aufrechterhaltung nachhaltiger Methoden erforderlich sein. Falls die Diskrepanzen zwischen bisheriger und angestrebter Arbeitsweise zu groß sind, kann dies eine große Hürde darstellen und die Zertifizierung für kleine Betriebe unattraktiv machen. GLOBALG.A.P. erkennt den wichtigen Beitrag, den kleine Betriebe leisten, und die damit verbundenen Herausforderungen. Um sie auf dem Weg zur Zertifizierung zu unterstützen, bietet GLOBALG.A.P. eine Lösung namens localg.a.p. an. Im folgenden Video erfahren Sie mehr über localg.a.p.:

localG.A.P.

Zertifizierungsprogramme für Aquakultur basieren auf strengen Standards, die bewusst auf höchste Lebensmittelsicherheit, besseren Tier- und Umweltschutz, sowie soziale Verantwortung wie den Schutz von Arbeitnehmerrechten und gesellschaftlichen Interessen ausgelegt sind. Manchmal entstehen durch diese Standards Schwellen, die für Lieferanten schwer zu überwinden sind. Dies betrifft vor allem Kleinbauern. GLOBALG.A.P. versteht, dass kleine Betriebe zusätzliche Ressourcen benötigen, um zertifiziert werden zu können. Die Gruppenzertifizierung und localg.a.p. sind zwei Beispiele für Maßnahmen, durch die im GLOBALG.A.P. Zertifizierungsprogramm ein Gleichgewicht zwischen gesenkten Kosten und zusätzlichen Anreizen für Kleinbauern und der Förderung verantwortungsvoller Aquakultur hergestellt wird.

 

[1] Melba G. Bondad-Reantaso & Subasinghe, R.B., Enhancing the contribution of small-scale aquaculture to food security, poverty alleviation and socio-economic development; FAO Expert Workshop 21–24 April 2010 Hanoi, Viet Nam; FAO Fisheries and Aquaculture Proceedings 31; FOOD AND AGRICULTURE ORGANIZATION OF THE UNITED NATIONS Rome, 2013 S. iv

[2] Ebenda, S. 44

[3] https://www.shutterstock.com/image-photo/farmers-land-valley-by-hill-terraced-486976870?src=yJxQ07xEVGnv3jnG3-W9Nw-1-47