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Fleisch oder Fisch – treffen Sie Ihre Wahl:

 

Da die Weltbevölkerung bis 2050 auf voraussichtlich 9,7 Milliarden ansteigen wird, ist mit einer Zunahme des Nahrungsmittelbedarfs um 59% bis 98% 1Prozent zu rechnen. Veranschaulichen lässt sich dies durch die Einschätzung der Vereinten Nationen (UN), wonach „die Ressourcen von fast 3 Planeten notwendig sein werden, um unseren aktuellen Lebensstil aufrecht erhalten zu können“2. Laut Ziel 12 der Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN (SDGs) müssen wir: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen. Was und wie wir essen wird demnach genauso wichtig werden wie die Art und Weise, unser Essen zu produzieren. Was bedeutet Nachhaltigkeit in Konsum und Produktion? „Nachhaltigkeit in Konsum und Produktion zielt darauf ab, „mehr und Besseres mit weniger zu leisten“, indem Nettowohlfahrtsgewinne aus wirtschaftlichen Aktivitäten durch Verringerung des Ressourcenverbrauchs sowie der Schädigung und Verschmutzung während des gesamten Lebenszyklus – bei gleichzeitig zunehmender Lebensqualität – erhöht werden“3. Insbesondere wenn es um das Essen geht, weist die UN darauf hin, dass „übermäßiger Nahrungsmittelverbrauch gesundheits- und umweltschädigend ist.“ Wenn wir an übermäßigen Verbrauch denken, rechnen wir für gewöhnlich in Kalorien; jedoch benötigen wir Menschen Kalorien in Form von Proteinen, Fetten, Kohlenhydraten sowie Vitaminen und Mineralien zum Überleben.  

Proteine sind besonders wichtig für den Muskelaufbau. Wie hoch ist also ein verantwortbares Maß an Proteinzufuhr? Experten empfehlen, täglich 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu verzehren. Ein 80 kg schwerer erwachsener Mann sollte demnach 64 Gramm Eiweiß und eine 60 kg schwere erwachsene Frau 48 Gramm Eiweiß täglich konsumieren. Unser Weg zu einem nachhaltigen Proteinverbrauch endet damit jedoch nicht. Studien zufolge ist die Proteinmenge aus einer Mahlzeit, die der Körper für den Muskelaufbau umwandeln kann, auf etwa 30g begrenzt4.

Wir haben viele Proteinquellen zur Auswahl. Es sollen nun zwei Alternativen – Fleisch und Fisch – untersucht werden. Ist eine davon die nachhaltigere Alternative? Kann man mit einer davon eher „mehr und Besseres mit weniger leisten“ als mit der anderen? Nehmen Sie Hackfleisch aus gezüchtetem Rind und gezüchteten Atlantischen Lachs als Beispiel.

Nährstoffvergleich:5

Während mageres Rindfleisch eine größere Zink- und Proteinmenge pro 100 g aufweist, ist ein Aminosäurengehalt von über 100 wie beim Atlantischen Lachs (148) ein Indikator für ein voll- und höherwertigeres Protein verglichen mit dem in magerem Rinderhackfleisch enthaltenen Eiweiß mit einem Wert von 67 (niedriger Wert an Aminosäuren Tryptophan:Histidin). Atlantischer Lachs ist zudem kalorienärmer und enthält weniger Natrium, gesättigte Fettsäuren und Cholesterin, und keine trans-Fettsäuren, und ist zudem reich an gesunden Omega-3-Fettsäuren.

Wie schneidet Atlantischer Lachs im Vergleich zu Rinderhackfleisch aus Produktionssicht ab? Wir wollen nun einige Schlüsselindikatoren betrachten. Zum einen werden wir uns der negativen Auswirkungen des Treibhauseffekts auf die globale Klimaentwicklung und die Biodiversität durch Umweltveränderungen wie dem Abschmelzen der Polkappen immer mehr bewusst. Der CO2-Fußabdruck ist ein Maß für die Menge an schädlichen, durch ein Produktionssystem direkt oder indirekt verursachten Treibhausgasen. „Ein CO2-Fußabdruck wird in Kilogramm (kg) Kohlenstoffdioxid-Äquivalenten (CO2e) pro kg des essbaren Anteils des Produkts angegeben“6. Atlantischer Lachs hat einen CO2-Fußabdruck von 3,9, während Rind einen CO2-Fußabdruck von 30 aufweist7. Sehen wir uns einen anderen Indikator an – Futtermittel. Die für eine Gewichtszunahme eines Tieres um 1 kg benötigte Futtermenge wird durch die Kennzahl FCR, der sogenannten Futterverwertungrate (Feed Conversion Ratio), ausgedrückt. Atlantischer Lachs hat einen FCR von 1,3 (kg Futter) zu 1 (kg Atlantischer Lachs) und Rind weist einen FCR zwischen 4 und 9 (kg Futter) zu 1 (kg Rind) auf8. Betrachten wir schließlich den essbaren Ertrag, den Teil also, der tatsächlich auf den Teller kommt, ohne Knochen usw. Im Hinblick auf das essbare Gewicht je 100 kg Futtermittel erbringt Atlantischer Lachs einen Nahrungsmittelertrag von 61kg und Rind zwischen 4 bis 10kg9.

Wir sehen also, dass es schon einen Unterschied zwischen magerem Rinderhackfleisch und Atlantischem Lachs gibt – sowohl hinsichtlich der Vorteile auf der Verbrauchsseite als auch in Bezug auf die Auswirkungen auf der Produktionsseite. Gezüchteter Atlantischer Lachs ist kalorienärmer und enthält hochwertigere Proteine, ist ein Lieferant an gesunden Omega-3-Fettsäuren und hat gleichzeitig einen niedrigeren CO2-Fußabdruck und eine bessere FCR (kann also „mehr und Besseres mit weniger leisten“). Wie können Sie als Konsument sicher sein, dass Sie eine nachhaltige Konsumalternative wählen? Bei gezüchteten Fischen und Meeresfrüchten ist es am einfachsten, zunächst zu prüfen, ob die Verpackung mit dem GGN Logo oder einem anderen Aquakultur-Zertifizierungslabel versehen ist. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Produkt auf Basis verantwortungsbewusster Praktiken erzeugt wurde. Berechnen Sie als nächstes Ihren Eiweißbedarf ganz einfach über folgenden Link
Angesichts der vielen Auswahlmöglichkeiten sollten Sie den empfohlenen Tagesbedarf an Eiweiß aus hochwertigen Quellen decken oder tierische und pflanzliche Eiweißlieferanten miteinander kombinieren, um einem Mangel an Aminosäuren vorzubeugen. Denken Sie zu guter Letzt daran, dass übermäßiger Konsum oder Nahrungsmittelverschwendung auch eine schädliche Auswirkung auf die Umwelt haben.

 

 

[1] https://hbr.org/2016/04/global-demand-for-food-is-rising-can-we-meet-it

[2] http://www.un.org/sustainabledevelopment/wp-content/uploads/2016/08/16-00055L_Why-it-Matters_Goal-12_Consumption_2p.pdf p. 1

[3] http://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-consumption-production/

[4] http://www.health.harvard.edu/blog/how-much-protein-do-you-need-every-day-201506188096

[5] http://nutritiondata.self.com

[6] http://globalsalmoninitiative.org/sustainability-report/

[7] Ibid

[8] Ibid

[9] Salmon Farming Industry Handbook 2015 p.14