FAQS – FRAGEN UND ANTWORTEN

Was Sie schon immer über Aquakultur und Zertifizierung wissen wollten: Auf dieser Seite haben wir die häufigsten Fragen gesammelt und beantwortet.

Was ist Aquakultur?

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen ist die Definition von Aquakultur

„die Aufzucht von Wasserorganismen wie Fische, Weichtiere, Krustentiere, Wasserpflanzen, Krokodile, Alligatoren, Schildkröten und Amphibien. Aufzucht bedeutet irgendeine Form des Einwirkens in den Wachstumsprozess, mit dem Ziel der Produktionssteigerung, beispielsweise durch regelmäßigen Besatz, Fütterung oder Schutz vor natürlichen Feinden. Die Aufzucht impliziert auch das individuelle oder gemeinsame Eigentumsrecht an den aufzuziehenden Beständen. Für statistische Zwecke zählen daher auch im Wasser lebende Pflanzen und Tiere, die von einer natürlichen oder juristischen Person, in deren Besitz sie sich während der Wachstumsperiode befanden, gefangen oder geerntet wurden, zur Aquakultur. Im Wasser lebende Pflanzen und Tiere, die von der Allgemeinheit mit oder ohne entsprechende Lizenzen als jedermann zugängliche Güter genutzt werden können, sind dagegen als Fischereierzeugnisse anzusehen.“

Weiterführende Informationen:

Geschichte der Aquakultur und die Entwicklung von zertifizierter Aquakultur

Überblick über die häufigsten Formen von Aquakultur

Wie funktioniert Aquakultur?

 

Warum brauchen wir Aquakultur?

Wir konsumieren heute viel mehr Fisch pro Kopf als früher – rund 20 Kilo im Jahr.[1] Ein immer größer werdender Teil des globalen Fischkonsums wird mittlerweile über Fischzucht abgedeckt. Wenn wir uns die Grafik der FAO anschauen, erkennen wir, dass die Aquakulturproduktion in den letzten Jahrzehnten konstant ansteigt.

 

Quelle: FAO The State of World Fisheries and Aquaculture (SOFIA, 2016)

 

In Anbetracht der bereits bestehenden Überfischung der Meere ist Aquakultur die einzige Möglichkeit, den steigenden, weltweiten Bedarf an Fischereiprodukten zu decken. Damit die natürlichen Ressourcen schonend und nachhaltig genutzt werden, ist allerdings eine nachhaltige und durch Zertifizierung kontrollierte Aquakulturpraxis wichtig.

 

[1] The Economist: Getting serious about overfishing, May 27th 2017

 

Werden für die Produktion von Futtermitteln Wildbestände gefährdet?

Nicht nachhaltige Fischerei von Futterfisch, der zu Fischfutter verarbeitet wird, macht jede noch so nachhaltig wirtschaftende Aquakultur sofort unnachhaltig. Deshalb gibt es bei GGN auch klare Regeln für die Futtermittelherstellung. Wenn Wildfisch Teil der Futtermittelherstellung ist, muss dieser aus Fischereien stammen, die gemäß dem Verhaltenskodex des FAO für verantwortungsvolle Fischerei handeln. Darüber hinaus geht der Trend hin zu alternativen Futterbeimischungen, wie z.B. Insekten und Algen. Der Anteil an Wildfang im Futtermittel nimmt somit stetig ab. Da aber die Menge an Futter die Menge des Zuchtergebnisses um ein Vielfaches übersteigt, bleibt die Zusammensetzung und die Herkunft des Futters eine große Herausforderung in der Aquakultur. Es gibt aber auch Fischarten, wie zum Beispiel der Karpfen, der sich rein vegetarisch ernährt. Muschelzuchten benötigen überhaupt kein künstliches Futter, da sie sich einfach über die in der Strömung befindlichen Organismen ernähren. Beim Muschelkauf muss man sich also gar keine Gedanken in Bezug auf Futter machen.

 

Warum sollte ich beim Einkauf auf Label für nachhaltige Aquakultur achten?

Lebensmittel sollten gesund und unbelastet sein – und ihr Anbau sollte weder Mensch noch Natur schaden. Das GGN zertifizierte Aquakultur-Label garantiert die umweltschonende Erzeugung, in der darauf geachtet wird, die lokalen Naturräume zu schützen, traditionelle Anbaumethoden nicht zu verdrängen und den Mitarbeitern sichere und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen zu bieten. Mit dem Kauf entsprechend gelabelter Produkte unterstützen Sie die Verbreitung einer verträglichen und nachhaltigen Agrarpraxis und tragen so zum Schutz von Ressourcen bei, die die Lebensgrundlage der heutigen und zukünftigen Erdbevölkerung sichert.

 

Was unterscheidet Fischprodukte mit GGN-Label von herkömmlichen Produkten ohne Label?

Bei Produkten mit GGN zertifizierte Aquakultur-Label können Sie sich sicher sein, dass diese in einer kontrollierten und nachweisbaren Weise angebaut wurden. Unsere Farmer halten sich strikt an die Vorgaben des GLOBALG.A.P. Standards und werden danach überprüft. Produkte ohne Label können auch unter ähnlichen Bedingungen gezüchtet worden sein, der Unterschied aber ist: Sie als Konsument wissen es nicht, da keine Kontrollstelle die langfristige Einhaltung dieser Bedingungen geprüft hat. Das GGN zertifizierte Aquakultur-Label bietet somit vor allem Sicherheit und die Möglichkeit der Nachprüfung.

 

Was bedeutet das GGN-Label?

Wenn Sie das GGN-Label auf der Verpackung sehen, bedeutet dies, dass das Produkt nach den Richtlinien des GLOBALG.A.P. Aquakultur Standards zertifiziert wurde und dies auch unabhängig überprüft wurde. Der GLOBALG.A.P. Standard macht Vorgaben in Bezug auf Lebensmittelsicherheit, Tierwohl, Umweltschutz, Arbeitsgesundheit & -sicherheit und Mitarbeiterfürsorge: von der Beschaffung der Fischeier über die Eignung des Standorts, den Einsatz von Wasser, Chemikalien und Medikamenten bis hin zur Ernte, Verarbeitung, Verpackung und die gesamte Lieferkette deckt der GLOBALG.A.P. Aquakultur Standard alle Schritte ab.

Weiterführende Informationen:

Überblick über andere Aquakultur-Label

 

Wofür steht GGN?

GGN ist die Abkürzung für GLOBALG.A.P. Nummer. Jeder Farmer hat eine 13-stellige Identifikationsnummer. Mit dieser Nummer können Sie – über die Eingabe im Suchfeld dieser Seite – die Herkunft Ihres Produktes transparent zurückverfolgen. Sie gelangen über die Nummer direkt zum Farmprofil des Erzeugers und erhalten neben Bildern der Farm viele nützliche Informationen, z.B. über Anbaumethoden.

 

Was ist GLOBALG.A.P.?

G.A.P. steht für „Good Agricultural Practices“ (gute Agrarpraxis) – und GLOBALG.A.P. ist der weltweite Standard, der diese Praxis sicherstellt. Wir sind eine gemeinnützige Organisation mit einem wichtigen Ziel: Die sichere und nachhaltige Produktion von Lebensmitteln sowie Blumen und Zierpflanzen auf der ganzen Welt. Dabei setzen wir auf einen freiwilligen Standard für die weltweite Zertifizierung von landwirtschaftlichen Produkten. Immer mehr Erzeuger, Lieferanten und Käufer stimmen ihre Zertifizierungsstandards mit unserem ab.

 

Wie funktioniert die Zertifizierung?

Die GLOBALG.A.P. Zertifizierung erfolgt in drei Schritten:

  1. Der Erzeuger informiert sich über den für ihn relevanten GLOBALG.A.P. Standard und führt eine Eigenkontrolle durch, um zu sehen, ob er alle Punkte erfüllt.
  2. Er kontaktiert dann eine Zertifizierungsstelle im entsprechenden Land und vereinbart einen Termin für die Erstkontrolle. Ein Kontrolleur nimmt die Kontrolle dann vor Ort vor und überprüft, ob alle Anforderungen des Standards erfüllt werden.
  3. Wenn alle GLOBALG.A.P. Kriterien erfüllt sind, wird ein GLOBALG.A.P. Zertifikat ausgestellt.

Eine unabhängige Zertifizierungsstelle prüft einmal im Jahr, ob alle Kriterien weiterhin erfüllt werden. Zusätzlich werden außerdem unangekündigte Kontrollen durchgeführt.

 

Welche Fische und Meeresfrüchte können zertifiziert werden?

Der GLOBALG.A.P. Aquakultur Standard bietet derzeit für 30 Arten (darunter Fisch, Weichtiere und Krustentiere) eine Zertifizierung an. In der GLOBALG.A.P. Produktliste sind die Arten aufgeführt.

 

Es werden keine Produkte mit GGN-Label bei meinem örtlichen Fischhändler oder im Supermarkt verkauft. Was kann ich tun?

Viele Geschäfte führen bereits von uns zertifizierte Produkte – aber leider nicht alle. Sollten Sie keine Produkte mit dem GGN zertifizierte Aquakultur-Label in Ihrem bevorzugten Geschäft finden, sprechen Sie bitte die Mitarbeiter darauf an. Bitten Sie sie, ihre Vorgesetzten darüber in Kenntnis zu setzen, dass Sie solche Produkte wünschen.

 

Wie wird der Umweltschutz bei GGN Aquakultur sichergestellt?

Der GLOBALG.A.P. Standard gibt konkrete Vorgaben, wie der Einfluss der Aquakulturanlage auf die Umwelt minimiert werden kann. Dazu gehören die Bestandsaufnahme, Beobachtung sowie konkrete Maßnahmen in Bezug auf den Wasserverbrauch und die sanitäre Abwasserentsorgung, das Handling von chemischen Substanzen (Transport, Nutzung und Lagerung), die Abfallentsorgung (Recycling und Wiederverwertung) und Energieeffizienz. Ferner müssen Ausbrüche von Zuchtfisch in die Wildnis durch entsprechende Vorrichtungen verhindert werden. Der Neubau und Betrieb einer Anlage in einem geschützten Gebiet (zum Beispiel Mangrovenwälder) ist nicht erlaubt.

 

Wie wird das Tierwohl bei GGN Aquakultur sichergestellt?

Der GLOBALG.A.P. Standard für Aquakultur sieht verschiedene Kriterien für diesen Bereich vor:

  • die Mitarbeiter auf der Fischfarm werden eigens für den Bereich Tierwohl geschult. Dies ist Voraussetzung für eine kontinuierliche Beobachtung der Tiergesundheit auf allen Produktionsstufen (Brut, frühe Lebensphasen, Zuchtfisch, Ernte und Schlachtung). Die nachfolgenden Produktionsstufen, insbesondere Schlachtung und Verarbeitung müssen ein regelmäßiges Feedback in Bezug auf das Tierwohl abgeben.
  • Die Farm muss einen umfassenden tierärztlichen Gesundheitsplan haben gemäß dem alle Anweisungen im Detail den Arbeitern übergeben und von einem Spezialisten für Tiergesundheit unterzeichnet werden.
  • Auf der Farm muss jederzeit ein Ablauf gewährleistet werden, der das Tierwohl respektiert und unnötigen Stress vermeidet. Die verwendeten Systeme müssen so konstruiert sein, dass Ausbrüche in die Wildnis und das Eindringen von Wildfisch und Raubtieren verhindert werden.

 

Wie werden die Zuchtfische mit GGN-Label vor Krankheiten geschützt?

Tierwohl ist ein wichtiger Bestandteil des GLOBALG.A.P. Aquakultur Standards. Dies bezieht sich auf die Verifizierung der optimalen Wasserqualität, die Vermeidung von unnötigen Stress, Beobachtung und Impfung, die im Endeffekt hilft, die Fische vor Krankheiten zu schützen.

 

Ihre Frage war nicht dabei?

Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an:

info@ggn.org

Tel.: + 49 (0) 221 57776-100