Die wichtigsten Formen der Aquakultur

Die kontrollierte Aufzucht von im Wasser lebenden Organismen ernährt schon seit Jahrtausenden Menschen in Afrika, Europa und Asien. Ihre Formen reichen von traditioneller Teichwirtschaft bis zu umweltautonomen, geschlosenen Kreislaufanlagen. Auch wenn die moderne Aquakultur zu den am stärksten wachsenden Bereichen der Landwirtschaft gehört, stammt noch immer ein Großteil des weltweiten Zuchtfischs aus kleinen, oft familienbetriebenen Anlagen in Asien.

Durchflussanlagen
Arten: Forelle, Tilapia, Wolfsbarsch

Ein Durchflusssystem besteht aus eine Reihe künstlicher oder auch natürlicher Becken und Rinnen, die kontinuierlich von Frischwasser durchströmt werden. Sie eignen sich besonders für Fischarten, deren natürlicher Lebensraum die Strömung ist oder die einen erhöhten Anspruch an den Sauerstoffgehalt des Wassers haben.

 

Das die Becken durchströmende Wasser kann aus benachbarten natürlichen Teichen gepumpt oder aus Flüssen umgeleitet werden. Ebenso erfolgt der Abfluss, indem Wasser am Ausgang der Anlage entweder zurück in das Ursprungsgewässer geleitet oder gepumpt wird. Der kontinuierliche Wasseraustausch mit konstant hohen Sauerstoffgehalt sorgt für gute Lebensbedingungen, die auf gleichem Raum die Haltung von mehr Fischen als in Teichanlagen ermöglichen.

Um Belastungen der Ursprungsgewässer durch Futterreste und Exkremente der Tiere zu vermeiden, wird das Abwasser vor der Rückführung in das Quellgewässer wieder aufbereitet.

 

Netzgehegeanlagen
Arten: Dorade, Kabeljau, Lachs, Tilapia, Wolfsbarsch

Netzgehege- oder Käfiganlagen werden in allen Arten von natürlichen Gewässern eingesetzt. Ihre Verwendung reicht von Teichen oder Flüssen über Meeresbuchten bis zur offenen See. Die Ursprünge der Gehegehaltung liegen in der kurzfristigen Haltung (Hälterung) gefangener Fische für den späteren Verkauf. Die Gehege ermöglichen die Aufzucht der Fische in natürlichen Umgebungen unter  stetigem Austausch mit dem Umgebungswasser. Das erleichtert die Fütterung, Kontrolle und Ernte. Bei dieser Aufzuchtform gelangen Stoffwechselprodukte der Fische, Futterreste und eventuell verabreichte Medikamente direkt ins umgebende Gewässer und können das umgebende Ökosystems z.B. Überdüngung oder auch Ausbruch von nicht indigenen Arten beeinflussen.

Die Käfig- und Gehegehaltung ist weltweit sehr verbreitet wobei die Anlagentypen allerdings erhebliche Unterschiede in Bezug auf Größe, Form und verwendete Materialien aufweisen.

Viele Farmen in Asien sind kleine, familiengeführte Anlagen, mit Gehegen, die z.B. aus Bambus gefertigt werden und zwischen 10 und 150 Kubikmeter Wasser beinhalten. Moderne Lachsfarmen in Norwegen oder Südamerika basieren demgegenüber auf rechteckigen Stahl- oder kreisförmigen Plastikkonstruktionen mit Netztiefen von 10 bis 40 Metern und einem Volumen von 3.000 bis 40.000 Kubikmetern. Selbst sechs- und achteckige Käfige mit Durchmessern zwischen 12 und 50 Metern sind im Einsatz, z.B. für die Aufzucht von Wolfsbarsch und Dorade in der Türkei.

Geschlossene Kreislaufanlagen
Arten: Tilapia, Wolfsbarsch, Stör, Shrimps

Geschlossene Kreislaufanlagen sind weitgehend Umweltautarke Anlagen, die aus einer Kombination von Becken und Filtersystemen bestehen, in denen das Abwasser ständig wiederaufbereitet und in die Zuchtbecken zurückgeführt wird. Durch diese Unabhängigkeit von natürlichen Wasserquellen treten Sie am geringsten mit der Umwelt in Interaktion, soweit Ihr Bau nicht in die Umgebung eingreift.

In diesen Kreislaufanlagen wird das Wasser unter konstanter Sauerstoffzufuhr durch die Anlage gepumpt. Zwischen Ab- und erneutem Zulauf passiert das Wasser zunächst einen mechanischen Filter zur Entsorgung von Futterresten und Exkrementen. Anschließend entfernen Biofilter und Eiweiß-Abschäumer die restlichen Stoffwechselprodukte.

Geschlossene Kreislaufanlagen sind aufgrund des hohen technischen Aufwandes zwar kostenintensiver als andere Systeme, bieten aber auf der anderen Seite die Möglichkeit einer die ökologischen Zucht von Meerestieren an fast jedem Standort bei minimalem Einfluss auf die Umwelt.

Eine besondere Form der Aquakultur in Kreislaufanlagen ist die Aquaponik. Sie ist eine Kombination aus Aquakultur und Hydroponic (Pflanzenanbau ohne Erde) und verfügt neben dem geschlossenen Wasserkreislauf auch über einen geschlossenen Nährstoffkreislauf. Dabei wird das Abwasser aus der Fischzucht in Pflanzbeete geleitet und dient hier als Nährstoffquelle für Nutzpflanzen, wie z.B. Tomaten, Basilikum oder Auberginen. Sie stehen in einem anorganischen Pflanzensubstrat wie Kies oder Tongranulat. Pflanzen und Substrat filtern das Wasser so weit, dass es ohne weitere Behandlung ins Fischbecken zurückgeführt werden kann.

Muschelzucht
Arten: Miesmuschel, Auster

Die Muschelzucht findet im Meer, also in mariner Aquakultur, statt. Die Muscheln leben wie ihre wilden Verwandten vom natürlich vorkommenden Plankton im Wasser, so dass ein zusätzlicher Eintrag von Nährstoffen nicht nötig ist.

Die verbreitetsten Methoden der Muschelzucht sind die Bodenkultur, die Kultivierung auf künstlichen Kollektoren (z.B. Langleinenkultur) und die Haltung in Drahtkörben bzw. Netzsäcken. Bei der Langleinenkultur dienen Seile aus Kunststoff als Anheftungsmaterial für Jungmuscheln. Diese Seile stehen senkrecht im Wasser und sind sind an der Oberfläche und am Boden fixiert. Bei der Bodenkultur wie auch bei der Aufzucht in Drahtkörben bzw. Netzsäcken, handelt es sich in der Regel um Semikulturen. D.h. es werden Jungmuscheln aus Naturbänken abgefischt und anschließend ins Zuchtgebiet eingebracht bzw. in die Zuchtvorrichtung umgesetzt.

Teichwirtschaft
Vorherrschende Arten: Karpfen, Forelle, Zander, Pangasius, Shrimps/Garnelen
Teichwirtschaft

Die Teichwirtschaft ist die älteste und bis heute weltweit verbreitetste Form der Aquakultur. Ihr breites Spektrum reicht von der Nutzung natürlicher Gewässer über teilweise künstliche bis zu vollständig künstlich angelegten Teichen zur Aufzucht von Fischen oder Krebstieren. Solche Teichanlagen werden in allen Größen sowohl von kleinen Familienbetrieben als auch in großkommerziellem Stil betrieben und decken alle Grade von intensiver und extensiver Aufzucht ab.

In der europäischen Teichwirtschaft bestimmen künstlich angelegte Teiche oder Becken die kommerzielle Fischzucht. In ihnen werden traditionell die besonders an stehende Gewässer angepassten Fische wie Karpfen, Hecht, Zander oder Wels aufgezogen. Mit etwas mehr Aufwand , im Übergang zur Durchflussanlage, wachsen auch Forellen in Teichanlagen heran.

Die traditionellen Teiche verfügen über regulierbare Wasserzu- und -abläufe, haben aber aufgrund geringer Besatzdichten kaum Frischwasserbedarf. Auch in Deutschland werden solche Teiche in der Regel so extensiv besetzt, dass das natürlich vorkommende Nahrungsangebot den Bedarf der Fische weitgehend deckt.

Bei intensiver Haltung (viele Fische auf engem Raum) kann der Frischwasserbedarf allerdings stark ansteigen. Die Zunahme von Sauerstoffverbrauch, Exkrementen und Futterresten durch die dann notwendige Zufütterung können die Wasserqualität stark belasten und erfordern einen regelmäßigen Wasseraustausch oder künstliche Belüftung. Zudem nimmt die Gefahr von Krankheiten und damit oft der Einsatz von Antibiotika und anderen Medikamenten zu.

Süßwasserfische wie Forelle, Seesaibling oder Äsche, die Fließgewässer mit hohem Sauerstoffanteil benötigen, werden klassisch in länglichen, durchströmenden Teichen mit unterschiedlichen Strömungsbereichen gehalten (vgl. auch Durchflussanlagen). Oft werden die Fische überwiegend künstlich ernährt - zumeist mit industriell hergestelltem Fertigfutter, den sogenannten Pellets. Die darin für fleischfressende Fische enthaltenen Fette und Proteine werden häufig aus Fischöl und -mehl gewonnen. Beides stammt aus Wildfängen oder wie z.B. in der ökologischen Forellenzucht verwendet, aus Resten von Speisefischen.