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Rezeptvorschlag oder moderne Landwirtschaft?

 
Nüsslisalat auf St. Gallener Rosé Barsch, Berliner Barsch an Blattspinat. Bei diesen Worten denkt man unwillkürlich an interessante Gerichte. Dahinter kann sich aber auch der Tomatenfisch verbergen.
Im Schweizer Bad Ragaz wird Salat angebaut. Nicht auf dem Feld in der Landschaft, sondern auf dem Dach in der Stadt. Hier wächst der Salat, im Winter vor allem Nüsslisalat, nicht in der Erde, sondern im Wasser heran. Und dieses Wasser stammt aus einer Fischzuchtanlage, die sich unter dem Dachgewächshaus befindet.
Nach dem gleichen Prinzip wächst auch in Berlin zusammen auf, was auf dem Teller zusammengehört. Buntbarsch mit Tomaten, Zucchini oder auch Spinat. Angebaut wird in Schöneberg, geliefert wird in die Region. Und wie selbstverständlich gehört auch zur Stadtfarm der eigene Hofladen.
 
Aquaponik
Aquaponik heißt die Methode, bei der sich "Landwirtschaft" und "Aquakultur" in einem gemeinsamen Kreislauf verbinden. Der Begriff setzt sich aus Aquakultur und Hydroponik, der Aufzucht von Pflanzen in Wasser statt in Erde, zusammen.
So, wie in der traditionellen Landwirtschaft der Mist aus der Tieraufzucht als Dünger auf die Felder ausgebracht wird, nutzen die modernen Fischzüchter das Wasser aus den geschlossenen Fischbecken als Dünger für ihren Pflanzenanbau. Anders - und besser als in der traditionellen Landwirtschaft - kann aber hier auch umgekehrt das Wasser, dem die Pflanzen die Nährstoffe entnommen haben, zu neuem Frischwasser für die Fische werden. Kein Milligramm Dünger, kein Tropfen Wasser geht ungenutzt und unkontrolliert in die Umwelt. Und selbst die CO2-reiche Abluft der Aquakultur wird noch genutzt. In das Gewächshaus geleitet wird auch sie als zusätzlicher Dünger von den Pflanzen verwertet.
 
Annähernd umweltneutrale Landwirtschaft
Funktioniert ein solcher Kreislauf, muss nur das Wasser nachgefüllt werden, das verdunstet oder von den Pflanzen absorbiert wird – ca. ein bis drei Prozent der gesamten Wassermenge pro Tag. In einer herkömmlichen Fischzucht müssen wegen der "natürlichen Düngung" des Wassers durch die Ausscheidungen der Fische im Schnitt täglich zehn bis zwanzig Prozent des Wassers ausgetauscht werden. Der wertvolle Dünger wird hier, ungenutzt, zum Entsorgungsproblem.
 
Tomatenfisch
Ausgedacht hat sich das System hinter diesen Beispielprojekten Werner Kloas, Professor am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Der "Tomatenfisch" ist seine Erfindung. Das Ziel ist eine nachhaltige, ressourcenschonende und nahezu emissionsfreie Landwirtschaft. Mehr Informationen zum Tomatenfisch unter: www.tomatenfisch.igb-berlin.de