Im August 2017 erlebte eine Lachsfarm im US-Bundesstaat Washington State den absoluten Alptraum. Rund 305.000 Fische entkamen aus einem eingestürzten Netzkäfig. Entweichungen dieser Größenordnung sind äußerst selten, und obwohl schätzungsweise zwei Drittel der Fische wieder eingefangen wurden, löste das Ereignis in der Regierung, bei Nichtregierungsorganisationen und in der Öffentlichkeit Besorgnis über mögliche negative ökologische und genetische Auswirkungen durch Entweichungen aus.

Entweichungen können in der Aquakulturproduktion jeglicher Arten vorkommen. Die Entweichung von Atlantischem Lachs ist jedoch besonders besorgniserregend, da sich die Farmen für gewöhnlich in der Nähe von Wanderrouten Atlantischer oder Pazifischer Wildlachse befinden. Aus ökologischer Sicht können entwichene Zuchtlachse mit Wildlachsen um Nahrung und Lebensraum konkurrieren. Zudem bestehen Bedenken über eine mögliche Ausbreitung von Krankheiten. Die Entweichung von Zuchtlachs wie dem Atlantischen Lachs führt auch zu Bedenken hinsichtlich einer Kreuzung von Zucht- und Wildfischpopulationen. Der genetische Ausdruck hierfür ist Introgression. Gezüchteter Atlantischer Lachs wird nämlich selektiv gezüchtet, damit er für die kommerzielle Aquakultur besser geeignet ist. Das bedeutet, dass er andere Eigenschaften als sein wild lebendes Gegenstück hat. Hierbei besteht die Besorgnis, dass jede Kreuzung zwischen Zucht- und Wildpopulationen die Widerstandsfähigkeit des Wildlachses schwächen wird.

Neben den staatlichen Vorschriften, die sich auf Farmstandorte, bauliche Anforderungen für Netzkäfige sowie auf Entweichungsmeldungen beziehen, widmet sich auch der GLOBALG.A.P. Standard dem Problem der Entweichung durch verantwortungsbewusste Aquakulturpraktiken zur Verhinderung eines möglichen Ausbruchs und der Ausbreitung von Krankheiten.