Was ist gute Aquakultur? << zurück

Aquakultur und Kleinbauern

Wussten Sie, dass Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zufolge zwischen 70 und 80 Prozent aller Aquakulturen in Kleinbetrieben erzeugt werden? Das heißt in Betrieben, die „in Familienbesitz sind oder von Familien gepachtet, verwaltet und betrieben werden.“ Kleinbetriebe sind nicht nur wichtig für die Subsistenzwirtschaft und die Versorgung lokaler Märkte; familienbetriebene Aquafarmen sind auch Teil internationaler Vertriebsketten. Jedoch haben Kleinbetriebe aufgrund ihrer Größe häufig Schwierigkeiten eine‚ Gute Aquakulturpraxis‘ umzusetzen, die der Förderung von Lebensmittelsicherheit, Tierwohl und -gesundheit sowie der Reduzierung negativer ökologischer und sozialer Aspekte dienen soll. Weltweite Initiativen von Interessengruppen (die aus Regierungen, NGOs und Unternehmen des Privatsektors bestehen) sowie die zertifizierte Aquakultur tragen dazu bei, dies zu ändern.

Zwei Beispiele sollen dies veranschaulichen:

In Vietnam machen Kleinbetriebe in der Garnelenzucht 80 % der gesamten Landwirtschaft aus (85% aller Garnelenzüchter) und Garnelen gehören zu den vier wichtigsten Aquakulturen für den Export (im Jahr 2015 44,93 %). Die Vorteile zertifizierter Aquakulturen können am Beispiel von Kleinbetrieben in der Provinz Ca Mau aufgezeigt werden. In Ca Mau haben sich Kleinzuchtbetriebe zusammengeschlossen, um im Rahmen des Projekts „Mangroven und Märkte“ eine Öko-Zertifizierung zu erreichen. Dank der Initiative der Kleinbetriebe konnten zwischen 2013 und 2015 die Mangrovenwälder im Waldgebiet von Nhung Mien um 39 % – 44 % aufgeforstet werden. Zusätzlich pflanzten sie 80 Hektar Mangroven. Mangroven bilden das vorderste Abwehrsystem im Kampf gegen den Klimawandel, in dessen Angesicht zertifizierte Aquakulturen die Förderung und den Schutz der Artenvielfalt unterstützen.

In Indien werden 90 % der Garnelen von Kleinbetrieben produziert, die dafür weniger als 2 Hektar Fläche nutzen. Im Jahr 2007 schloss sich die erste Gruppe von Züchtern zur Gründung einer „Garnelengenossenschaft“ zusammen. Dabei erhielt sie Unterstützung vom National Center for Sustainable Aquaculture (Nationales Zentrum für nachhaltige Aquakultur, NaCSA), das von der indischen Regierungsbehörde Marine Products Export Development Authority (Behörde für die Exportförderung von Meeresprodukten, MPEDA) geschaffen wurde. Eine Garnelengenossenschaft umfasst in der Regel 20 bis 70 Zuchtbetriebe. Bis 2015 war die Zahl der Garnelengenossenschaften in Indien auf 220 Mitglieder angestiegen, und es beteiligten sich 5312 Zuchtbetriebe an der Initiative. Die Zuchtbetriebe der Garnelengenossenschaften profitieren von der Unterstützung bei der Umsetzung besserer betrieblicher Praktiken, auch bekannt als Gute Aquakultur Praxis. Zurzeit arbeiten Initiativen von mehreren Interessengruppen daran, den Marktzugang für indische Garnelengenossenschaften durch eine Gruppenzertifizierung zu erleichtern.

Garnelen sind nur eine von vielen Arten an denen deutlich wird, wie wichtig die Rolle von Kleinbetrieben in der Aquakultur ist. Mit einem kontinuierlichen Anstieg der Weltbevölkerung steigt auch der Bedarf an einem intensiveren Engagement gegenüber kleinen Fischfarmen. Vielfältige Initiativen von Interessengruppen liefern verantwortungsbewusste Strategiepläne für die Förderung guter Aquakultur Praxis, während zertifizierte Aquakultur Marktanreize bereitstellt.