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Aquakultur in Spanien

Spanien steht in der Europäischen Union bei der Produktion aus Aquakultur an erster Stelle. Wir wollten mehr über spanische Aquakultur erfahren, und haben jemanden gefragt, der sich auskennt: Javier Ojeda von der Asociación Empresarial de Acuicultura de España. Seine Organisation repräsentiert die spanischen Aquakultur-Erzeuger und unterstützt ihre Mitglieder bei der Umsetzung nachhaltiger und verantwortungsbewusster Methoden für eine nachhaltige Aquakultur.

 

Weitere Informationen über die spanische Aquakultur, ihre Produkte und deren Vermarktung erhalten Sie unter: 

www.apromar.es

 

 

 

GGN.ORG: Können Sie uns einen kurzen Überblick geben über die Aquakultur in Spanien: Welche Formen (Technologien) und Fischarten sind am weitesten verbreitet?

Javier Ojeda: Die Aquakultur in Spanien ist sehr vielfältig. Marine Aquakultur gibt es an allen Küsten Spaniens, mit Offshore-Käfigen (für Seebarsche, Seebrassen und Adlerfische), Langleinen (für Muscheln und Austern), Becken an Land (für Steinbutt und Seezungen) und Gezeitenfarmen (für Austern und andere Muschelarten). An Süßwasserfischen werden hauptsächlich Regenbogenforellen, aber auch Störe in Durchlaufanlagen gezüchtet.

 

GGN.ORG: Wie steht es um die spanische Aquakultur im europäischen und internationalen Vergleich?

Javier Ojeda: Spanien ist in der Europäischen Union die Nummer eins nach Tonnen und auf dem vierten Platz nach Umsatz (siehe Diagramme).

 

GGN.ORG: Gibt es einen typisch spanischen Fisch, der z.B. schon eine lange Zuchttradition hat?

Javier Ojeda: Man könnte sagen, dass in Spanien Seebarsch, Seebrasse und Steinbutt die „typischen“ Meeresfische sind; im Süßwasser wäre es die Regenbogenforelle.

 

GGN.ORG: Wie viele zertifizierte Aquakulturanlagen gibt es in Spanien? Wo gibt es die meisten Betriebe (und warum)?

Javier Ojeda: Das können wir nicht genau sagen. Wir können aber davon ausgehen, dass 100% der spanischen Flossenfischfarmen über irgendeine Form der ISO-Zertifizierung verfügen. Zertifikate für Bio-Standards, GLOBALG.A.P., ASC usw. sind nicht ganz so weit verbreitet. Eine zertifizierte spanische Marke der Firma APROMAR, Crianza de Nuestros Mares, ist besonders stark bei Barsch, Brasse und Steinbutt vertreten. Die Hauptverkaufsargumente sind Frische und Qualität.

 

GGN.ORG: Wo sehen Sie noch Entwicklungspotential für die (zertifizierte) spanische Aquakultur?

Javier Ojeda: Grundlegende Zertifizierung, z.B. Nach ISO 9000 oder 14000, wäre der nächste logische Schritt. Danach folgen womöglich weitere Zertifizierungen, je nach Nachfrage am Markt.

 

GGN.ORG: Im Hinblick auf die zunehmende Überfischung der Meere nimmt die Bedeutung von Aquakultur für die Welternährung zu – welchen Beitrag kann die Aquakultur in Spanien hier leisten (Forschung, nachhaltige Technologien...)?

Javier Ojeda: Einen großen Beitrag. Spanische Aquakulturunternehmen sind bei Technologie und guter Praxis ganz vorne dabei. Außerdem gibt es diverse hoch engagierte Forschungszentren und Technologiecluster, und an unseren Schulen und Universitäten hat die Aquakultur einen hohen Stellenwert.

 

GGN.ORG: Wie groß ist der Marktanteil von Fisch aus Aquakultur in Spanien? Was sind die größten Exportmärkte für Produkte aus spanischer Aquakultur? Importiert Spanien auch Fisch und Meeresfrüchte?

Javier Ojeda: In Spanien liegt der Marktanteil von Fisch aus Aquakultur bei ca. 25%. Unsere Hauptexportpartner für Produkte aus Aquakultur sind Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland. Am Weltmarkt ist Spanien aber auch ein wichtiger Importeur für Fisch und Meeresfrüchte.

 

GGN.ORG: Wie beliebt sind Fisch und Meeresfrüchte bei spanischen Verbrauchern, und wie erschwinglich sind sie für die meisten? Welche Arten sind besonders beliebt?

Javier Ojeda: Ja, Fisch und Meeresfrüchte sind in Spanien sehr beliebt. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 45,2 kg im Jahr.[1] Fisch ist je nach Art relativ erschwinglich. Die wichtigsten Arten sind Hecht, Kabeljau, Lachs, Seebarsch, Sardellen, Seebrasse usw.

 

[1] Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch mit ca. 20 kg pro Jahr etwa im weltweiten Durchschnitt.